Englisch JÜL

Heute war wieder so ein frustrierender Englisch Klasse 4-6 JÜL Tag….
Normalerweise arbeite ich von zu Hause aus, jedoch hatten wir gestern bis 17:00 Uhr eine Weiterbildung und ich eine Stunde Puffer zwischen Unterricht und Workshop, die wollte ich nutzen, um ein bisschen Englisch vorzubereiten.

Die Kids haben heute einen Workplans bekommen, per Hand geschrieben, weil seit 3 Tagen das Internet an unserer Schule und nun auch die (zwei uralten) Computer im Lehrerzimmer nicht mehr funktionieren und ich habe ein schlechtes Gewissen…

An unserer Schule gibt es viele Kids nichtdeutscher Herkunft, erst gestern ist ein Schüler aus der Willkommensklasse dazu gestoßen, Jahrgangsstufe 6, allerdings ohne Englisch Kenntnisse. Integriere ich ihn in den Lernstoff für Klasse 4 ist dies nicht mehr altersgemäß, Klasse 5 hat schon Vorerfahrung und fast 2 Monate Englischunterricht, Klasse 6 geht inhaltlich gar nicht. Differenziere ich ihn komplett heraus, wie soll ich ihn dann in den Englischunterricht integrieren…, dann findet er noch schwieriger Anschluss an seine Mitschüler bzw. ist völlig auf sich gestellt und arbeitet nur Aufgaben ab…

Die Viertklässler haben zum ersten Mal an ihren Lernwörtern zum Thema “ Time“gearbeitet. Normalerweise muss man dies ganz in Ruhe einführen, Spiele dazu machen…, ich habe so viele Ideen im Kopf. Geht aber nicht, gibt ja noch Klasse 5 und Klasse 6. Die gleiche Misere, die 6. Klässler erarbeiten ein Booklet über unsere Schule, auch hier wäre es besser, man könnte das in Ruhe mit ihnen anleiten und Tipps, Tricks, Phrasen im Unterrichtsgespräch erarbeiten. Klasse 5 hat auch an ihren Vokabeln gearbeitet, natürlich gibt es da ein Kind, welches noch immer kein Vokabelheft hat und 45 min lang komplett nichts gemacht hat. Dann gibt es andere, die den Buchausleihzettel noch immer nicht abgegeben haben bzw. verloren haben und deswegen kein Buch mit nach Hause nehmen dürfen… 😦

Es ist einfach frustrierend und ich werde keinem Kind gerecht, das macht mich traurig und unzufrieden. Da wir lehrwerksorientiert arbeiten und die Themen nun mal nicht jahrgangsübergreifend aufgebaut sind, weiß ich mir nicht anders zu helfen, ich schaffe es nicht alle Themen auf drei Jahrgangstufen umzubauen, dann könnte ich auch nicht die PC Software und die Whiteboard Übungen nutzen, die mir doch viel Entlastung anbieten. Die Idee mit den Lernwegen finde ich noch immer ganz gut, da sie zumindest einen Überblick bieten und den Kids auch Möglichkeiten der freien Arbeit anbieten. Die Umsetzung ist häufig jedoch sehr schwierig, zuviel Orgakram außenrum, fehlende Unterrichtszeit, fehlende Arbeitszeit und auch oftmals die mangelnde Rückmeldung/Unterstützung aus dem Elternhaus.

So musste ich heute mal loswerden, gibt bestimmt auch wieder bessere Tage…

8 Gedanken zu “Englisch JÜL

  1. Sandra schreibt:

    Wie schrecklich!!!
    Bin an sich kein JüL-Fan, aber in Englisch gehört es definitiv verboten! V.a. mit Lehrwerk ist nur zum Kopfschüttlen… :-O
    Sei dir bitte gewiss, dass du mehr als dein Bestes gibst – aber wenn das System krankt, kannst du nur an den Symptomen rumdoktorn…
    Lass dich nicht vom Frust anknabbern!
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  2. Sonja schreibt:

    Du sprichst mir aus der Seele…………. das ist in so vielen Fächern so oder so ähnlich…………… oder wo bitte findet man (anderes Beispiel) Gemeinsamkeiten zwischen dem Buchstabenlehrgang der ersten Klasse mit Sprache/Lesen/Schreiben der zweiten Klasse.
    Wer hat sich dieses JÜL ausgedacht………………..

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  3. Luisa schreibt:

    Liebe Ari,
    danke, dass du auch so frustrierende Tage mit uns teilst.
    Es ermutigt mich, dass ich mit ähnlichen Problemen nicht allein dastehe.
    Herzliche Grüße,
    Luisa

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  4. Karno schreibt:

    Das ist nicht leistbar! Deshalb weniger ist mehr bzw. an der „richtigen“ Stelle motzen. Habe selbst 24 Sch. 1 i-Kind Förderbedarf lernen. Er braucht mich ständig. Mindestens 15 Minuten pro Stunde. Und 23 andere Kids müssen alleine lernen, arbeiten und sich beschäftigen. Ich bin unzufrieden und frustriert.

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  5. Sabine schreibt:

    Genau deswegen mag ich die Jahrgangmischung auch nicht. Weil man im Großen und Ganzen zu oft nicht beiden (oder sogar drei oder vier) Klassenstufen gerecht werden kann. Ich finde, es bleibt so viel auf der Strecke. Oft kann man irgendein Thema oder eine Methode nicht durchführen, weil die Erstis noch nicht so weit sind, weil es für die Zweitis zu langweilig ist, oft kann man ein Thema nur oberflächlich behandelt usw.
    Klar gibt es auch Vorteile. Aber meiner Meinung nach überwiegen die Nachteile. Und dafür hat man als Lehrer dann noch unzählige Mehrarbeit 😦

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  6. Katharina schreibt:

    Ich kann deinen Frust nur zu gut nachvollziehen und erlebe das auch immer wieder in der Inklusion. Solange die Lehrpläne sich nicht ändern, sondern vorgeben, wann und wie schnell ein Kind etwas lernen können soll, solange ist kein wirklicher Unterricht am individuellen Lernstand des Kindes möglich. und auch die besten differenzierenden Methoden sind nicht leistbar, wenn man allein mit 27 Kinder in der Klasse ist. Um den Forderungen nach Inklusion und Individualität wirklich gerecht zu werden, brauchen wir andere Rahmenbedingungen. Solange es die nicht gibt, gibt es immer wieder Lehrer, die verzweifelt versuchen am Nordpol Beach-Volleyball mit ihren Kindern zu spielen und die Schüler auch noch bestmöglich dabei motivieren, aber wärmer wird es am Nordpol dadurch eben nicht …
    Danke für deinen Beitrag. Wenn in den Blogs nur die bunte und schöne Seite des Lehrerlebens zu sehen ist, spiegelt das nur einen Teil unseres Schulalltags wider!
    LG Katha

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  7. Katha schreibt:

    Hey Ari, das hört sich aber nach einem ziemlich sinnlosen System an…
    Ich möchte allen JüL-„Gegnern“ aber totz dieser berechtigten Bedenken ein kleines Positivbeispiel anreißen: Vor Jahren war ich an einer Schule, die 1/2 jahrgangsübergreifend unterrichtete und eben auch 3/4. In den 3/4er Klassen wurde auch Englisch gemeinsam erteilt. Das ging problemlos, weil ein Zweijahresplan für die Unterrichtsinhalte entwickelt wurde. Selbst mit dem Lehrwerk (damals noch Playway) klappte es reibungslos, weil einfach die Bücher für Klasse 3 und Klasse 4 jahresweise abgewechselt wurde. Mit kleinsten Anpassungen lief das rund.

    ABER: Klasse 4 bis 6 hat m.E. sehr wenig miteinander zu tun und wirkt mir doch arg konstruiert, hier Gemeinsamkeiten zu finden. Oder mann muss konsequenterweise auf ein lehrwerk verzichten und themengeleitete Einheiten festlegen. Dann kann man deinen Einsatz, liebe Ari, auch rechtfertigen und nutzen!
    Ich drück dir die Daumen, dass bessere Zeiten kommen!!!

    Eine andere Katha

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