Meine Arbeit mit den Lernwegen – ein kleines Update

In diesem Jahr habe ich mich für das Arbeiten mit Lernwegen entschieden. Ich war im vergangenen Schuljahr immer wieder am Überlegen, wie ich alle Kinder meiner JÜL 1-3 gleichzeitig fördere und fordere, wie ich das selbstständige Arbeiten unterstützen kann und vor allem, wie ich alle Kinder – passend zu ihrem aktuellen Lernstand- so begleiten kann, dass sie in ihrem Tempo an den passenden Aufgaben arbeiten.

Das Arbeiten mit Arbeitsplänen für ein oder zwei Wochen war für mich nicht immer die beste Lösung, viel Papier, viel Herumsucherei und doch nicht wirklich befriedigend. Immer wieder gab es Kinder, die extrem lange gebraucht haben, ihren Plan verloren haben, gar nicht mehr wussten, wo sie überhaupt waren, oder es gab auch Kinder, die schnell fertig waren und neues Futter brauchten. Die Schere ist nicht nur durch die Altersmischung sehr groß, sondern auch innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen.

In diesem Jahr gibt es deswegen keine Arbeitspläne mehr, sondern LERNWEG STUNDEN. Diese tolle Idee dafür habe ich bei einer Lehrerein gesehen. Daraufhin habe ich mit den Materialien und Heften, die ich gerne für meine Schüler benutzen möchte, begonnen, eigene Lernwege für meine Klasse zu erstellen.

Jeder Schüler hat seinen eigenen Lernweg. Auf diesem stehen die Aufgaben, die in diesem Jahr geschafft werden sollen. Es sind mehrere Straßen, die zum Ziel führen. Immer wenn eine Aufgabe, erledigt wurde, wird diese von mir kontrolliert. Hat alles geklappt, bekommt der Schüler einen Aufkleber auf der entsprechenden Straße. So arbeitet er sich nach oben.
Jede Straße steht dabei für ein bestimmtes Material/Schulheft/Buch. Diese wiederum ist auch unterteilt in die verschiedenen Aufgabenbereiche. Klingt komplizierter als es ist. Wenn man sich die Bilder ansieht, macht das alles schon mehr Sinn. 🙂
Die Lernwege sind nach Farben sortiert:
Klasse 1 gelb
Klasse 2 grün
Klasse 3 orange

Die Materialien, die für die ganze Klasse sind (Klammerkarten, Lesen und Tun Aufgaben, Karteien), verschiedenen Karteien, Klammerkarten, Lesespiel etc. sind auch nach diesen Farben sortiert. Außerdem nach Schwierigkeitsstufen (ein bis drei Punkte). Ich habe die einfachen Markierungsspunkte im Schreibwarenladen gekauft, die Materialien für den Klassenraum neu sortiert, neue Materialien dank wunderbarer Internetseiten ausgedruckt und laminiert.

In den Klassen 2 und 3 habe ich die Lernwege zeitnah zum Schuljahresbeginn eingeführt, in der ersten Klasse etwas später. Hier mache ich die Aufkleber und die Kontrolle immer noch gemeinsam mit den Kids auf dem Teppich. Viele haben das Prinzip schon verstanden, trotzdem braucht man noch immer ein bisschen extra Hilfe und Erklärung.

Das schöne für die Kinder ist, dass sie sehen, wie sie langsam aber sicher nach oben wandern. Für ein größer erreichtes Zwischenziel (z.B. ein komplettes Lies Mal Buch) gibt es auch einen besonders großen und schönen Aufkleber.

Das Erstellen, Einführen und die ersten Wochen waren schon sehr anstrengend, trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem bisherigem Verlauf, die Kinder können Aufgaben wählen, haben einen Überblick über ihr bisher Geschafftes. Ich kann sehen, woran sie gerade arbeiten, sehe immer genau, wie sie vorwärts kommen (oder eben auch nicht ;)), kann natürlich auch mitlenken und ihnen sagen, dass sie an bestimmten Lernwegen weiterarbeiten sollen.

16 Gedanken zu “Meine Arbeit mit den Lernwegen – ein kleines Update

    • berlinari schreibt:

      Die Lernweg Vorlage habe ich mit Google Power Point zusammengebastelt, nicht unbedingt die perfekte Lösung, hat sehr lange gedauert und war etwas umständlich…

      Ansonsten arbeite ich mit verschiedenen Materialien, abh. von dem Kind und der jeweiligen Jahrgangsstufe, z.B. Lies mal Hefte vom Jandorf Verlag, die Lese-Stars von Cornelson. Klasse 3 arbeitet u.a. mit dem „Schreib richtig“ Heft, das sich sehr gut zum selbstständigen Arbeiten eignet…

      Ich werde im Laufe des Schuljahres feststellen, welche Materialien sich gut bzw. weniger gut für die Arbeit mit den Lernwegen eignen und dann zum nächsten Jahr hin verbessern…

      Die Materialien für Lesen und Tun und den Kartei Lernweg für Klasse 3 habe ich mir aus dem Internet zusammengesucht, laminiert, ausgeschnitten und sortiert. http://www.zaubereinmaleins.de/startseite/home…./ ist hierfür wirklich sehr empfehlenswert. Die Zusatzaufgaben sind bunt gemischt, von Lernspielen, kleine Leseaufgaben bis hin zu Arbeitsblättern ist alles dabei, nur nicht zuviel, damit kein Überangebot entsteht und die Kids mit der Auswahl überfordert sind…

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  1. Cubi schreibt:

    Sicher ist das ein Weg, bei dem Kinder recht individuell vorwärts kommen. Trotzdem bin ich dabei skeptisch, weil ich in der Realität bei vielen Hospitationen vor allem Abarbeiterei erlebt habe und mir persönlich die gemeinsame Arbeit in Gruppen und die Sprachförderung besonders im Mathematikunterricht meist zu kurz zu kommen scheinen. Wie verhinderst du diese drei Dinge?
    Liebe Grüße cubi

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    • berlinari schreibt:

      Das ist ein super Kritikpunkt und Abarbeiten finde ich auch nicht toll… 😦 Ich mach neben den Lernwegstunden immer wieder gemeinsame Gesprächszeiten, Einstiege, spreche mit den Kids über ihre Arbeiten und Lernwege. Durch das jahrgangsübergreifende Unterrichten ist es wirklich schwer den perfekten Weg für alle zu finden, aber ich empfinde die Lernwege im Moment für meine Kids als die beste Lösung. In Mathe arbeiten wir (noch) nicht mit Lernwegen, das Experiment läuft erstmal nur in Deutschunterricht.. 😉 LG

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  2. Claudia schreibt:

    Hallo Berlinari,
    das hört sich toll an! Ich überlege schon sehr lange daran, Lernwege einzuführen. Ich traue es mir noch nicht so recht zu… Aber dein Text macht mir Mut!
    Was findet sich denn bei dir unter Lesen und Tun?
    Ich wünsche Dir ein gutes Gelingen!
    Vielen Dank für die Anregung, Claudia

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    • berlinari schreibt:

      Hi, ich war am Anfang auch etwas unsicher… Überfrachtung, Layout der Lernwege, wie oft kann ich es machen, werden die Kids es überhaupt verstehen, wie viel ist genug, ist das Material geeignet… Auch für mich ist es ein Lernprozess und ich werde im Laufe des Jahres sehen, wie gut es funktioniert… Bisher bin ich zufrieden und habe das Gefühl, dass viele Kinder sehr gut damit arbeiten, motiviert sind und Spaß daran haben, weil sie ihre Aufgaben (manchmal mit meiner Hilfe) relativ frei wählen wählen können und sie nicht immer am gleichen Material arbeiten. Meine Lesen und Tun Materialien sind größtenteils laminierte (haha, typisch Grundschullehrerin) Materialien zu verschiedenen Bereichen. Es sind Memorys, Dominos, Zuordnungsspiele, Lesekarteien u.v.m. Im Internet finden sich tolle Anregungen für diese Materialien. Wichtig ist nur, dass man alle kleinen Lernwege nach und nach einführt und mit den Kids die Materialien anschaut und die Routinen klar abspricht (Wie funktioniert die Kontrolle? Wann kann ich weiterarbeiten?…) Ich empfinde aber eine deutliche Entlastung mit dieser Art zu Arbeiten als im vergangenen Schuljahr und habe auch einen besseren Schnellüberblick über die aktuelle Arbeit meiner Schüler, ihr Lerntempo, aufkommende Schwierigkeiten…

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  3. Yvonne schreibt:

    Vielen Dank für den tollen Einblick in deinen Unterricht. Ich bin immer auf der Suche nach Ideen zur Individualisierung.

    Wie handhabst du das mit Einführungen? Gibt es gemeinsame Einführungen in ein neues Thema? Wie viele Stunden für den Lernplan planst du pro Woche ein?

    Wann schreiben die Kinder die Klassenarbeit? Kannst du die zu verschiedenen Zeitpunkten schreiben lassen? In Nds müssen die Kinder ja nach wie vor die Arbeiten alle zum gleichen Zeitpunkt schreiben. Ich finde es schwer, die Kinder dann so individuell laufen zu lassen.

    Freue mich auf deine Antwort.
    Viele Grüße
    Yvonne

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    • berlinari schreibt:

      Hi,
      Vielen Danke für deinen Kommentar…, ich kann dir ja einfach ein bisschen von meinen Stunden erzählen, damit du einen besseren Einblick bekommst.

      Ich habe 6 Stunden Deutsch in der Woche, davon eine Förderstunde, außerdem noch eine Klassenleiterstunde, die ich hin und wieder für Gesprächsrunden, Freiarbeit o.ä. nutze, die Zeit ist wirklich immer sehr knapp. Eine Stunde pro Woche nutze ich immer für Klasse 2 und 3 zum Schreiben über ihr Wochenende. Daraus ergeben sich dann oftmals Lernwörter für den individuellen Wortschatz der Kinder. Diese Stunde nutze ich auch, um mit den Erstklässlern einen neuen Buchstaben auf dem Teppich einzuführen. Wenn ich eine Doppelsteckung habe, klappt das ganz gut, wenn ich alleine bin, ist das immer etwas schwieriger.

      Weiterhin versuche ich neben den Lernwegsstunden eine feste Stunde für das Lesen und die Arbeit mit dem Lesetagebuch, eine kreatives Schreiben Stunde und alle ein bis zwei Wochen eine Rechtschreibstunde für Klasse 2 und 3 einzuplanen. In der Rechtschreibstunde arbeiten die Kids an ihrem Lernwortschatz (jedes Kind hat eine AOL Lernbox). Diese Zeit kann ich wiederum nutzen, um mit den Erstklässlern an der Anlauttabelle, dem Hören von Lauten, dem Geburtstagsbuchstaben… zu arbeiten.

      Einführungen oder Gespräche zu einem bestimmten Thema klappen ganz gut in der Kleingruppe, während die Kinder an ihren Lernwegen arbeiten. Alle wissen was sie zu tun haben, können sich gegenseitig stützen, wenn etwas unklar ist, und ich habe Zeit mit einer Gruppe individuell zu arbeiten. Noten gibt es in 1-3 noch nicht und Klassenarbeiten nur in Klasse 3, das können wir aber ganz individuell handhaben, z.B. kann ich in der Förderstunde schreiben oder wenn eine Doppelsteckung ist, kann ein Lehrer mit den großen Kids rausgehen und dann die Arbeit schreiben.

      Das jahrgangsübergreifende Unterrichten 1-3 stellt wirklich eine große Herausforderung sowohl für die Kinder als auch für mich als Lehrerin dar. Oftmals habe ich das Gefühl, nicht allen gerecht zu werden, aber bei unserer Mischung ist das wirklich auch sehr schwierig: inklusive jahrgangsübergreifende Schule mit ca.85 % Deutsch als Zweitsprache Schülern. Mit den Lernwegen habe ich momentan aber das Gefühl, dass dies eine gute Möglichkeit für Individualisierung (unter den gegebenen Umständen) ist… Beste Grüße.

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  4. Nicole schreibt:

    Hallo du Fleißige, das Layout deiner Lernwege gefällt mir gut. Bist du noch zufrieden damit? Dürfen die Kinder die Wege absolut frei wählen? Zum Beispiel in Klasse 1 erst alle Lolahefte bearbeiten oder wie steuerst du das? Dürfen die Kinder auch die Seiten absolut frei auswählen? Wie machst du es mit Hausaufgaben. Fragen über Fragen 😊 Liebe Grüße

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    • berlinari schreibt:

      Hi, Danke für dein Feedback… Für den ersten Durchlauf bin ich bisher sehr zufrieden mit den Lernwegen… Hier und da wird es im nächsten Jahr noch Verbesserungen geben, einige Materialien werde ich ersetzen. Prinzipiell lasse ich die Kinder entscheiden, woran sie in den Lernweg Stunden arbeiten. Natürlich muss ich bei jedem Kind immer so ein bisschen über die Schulter gucken, dass es nicht nur einen Weg verfolgt und andere völlig außen vorlässt… Aber eigentlich klappt das ganz gut. Ich habe die Lernweg nach und nach freigegeben und die Materialien erst mit den Kindern besprochen und eingeführt. Durcheinander in den Heften arbeiten dürfen die Kids nicht, da die Lerninhalte ja aufeinander aufbauen. Für den Buchstabenlehrgang in Klasse 1 gibt es auch einen Buchstabenweg, den die Kinder machen müssen, damit sie den Buchstaben verinnerlichen und wirklich auch kennen (kneten, legen, hören, stempeln, auf kleine Whiteboards schreiben, bevor sie in der Lola arbeiten dürfen. Das klappt wirklich prima. Allerdings werde ich im neuen Jahr nicht mehr mit der Lola arbeiten, da diese Hefte für viele meiner Erstklässler zu schwer sind, das verstehende lesen kommt schon sehr früh und die Texte sind einfach zu groß.

      Ganz wichtig ist die Kontrolle, immer wenn sie einen Buchstaben/Kapitel etc fertig haben, kommt es in die Kontrollablage. Stimmt alles, gibt es einen Lernweg Sticker, haben sich zu viele Fehlerchen eingeschlichen, markiere ich die Seiten mit einer kleinen Haftnotiz und gebe es zurück zum Verbessern…

      Ich hoffe, das hilft dir erst einmal, für das jahrgangsübergreifende Unterrichten ist dies bisher für mich meine erfolgreichste Methode zu unterrichten… 🙂

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      • berlinari schreibt:

        Ach ja, Hausaufgaben – ganz unterschiedlich. Mal Lernweg, mal gibts ein Arbeitsblatt, mal eine Wochenhausaufgabe.. Eine sehr gute Sache sind auch die kleinen Schreibhefte, da müssen die Kids 3-5 Sätze zu Hause schreiben… Wie du siehst, das handhabe ich sehr flexibel und abh. vom Thema und dem Zeitfaktor

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  5. Nicole Bäuerle schreibt:

    Vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort. Irgndwie dauert das immer ewig, bis ich meinen Kommentar abschicken kann. Irgendetwas mache ich falsch. ;-)Ich habe selbst eine jahrgangsgemischte Klasse 1-2, habe bereits offen gearbeitet, momentan arbeite ich wieder weniger offen. Wo finden deine Kinder die Aufgaben für die Buchstaben? Ist das ein Buchstabenweg im Zimmer oder eine Art Stationenplan? Sind diese für jeden Buchstaben gleich? Machst du Einführungen neuer Themen in Kleingruppen. Ich habe echt großen Respekt, drei Jahrgangsgruppen…. Wie handhabst du es eigentlich in Mathe? Was machst du mit Schülern, die so gar nicht vorwärts kommen? Etwas streichen? Liebe Grüße

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    • berlinari schreibt:

      Ich habe gerade meinen Blog durchgeguckt, weil ich dachte, ich hätte etwas zum Buchstabenweg geschrieben… Falsch gedacht… :O Ich versuche einmal in dieser Woche Fotos zu machen und ein bisschen dazu zu erzählen, falls die Zeit nicht wieder so davon rennt, is gerade etwas stressig… 😉 Aber das kennst du ja bestimmt… Viele Grüße!

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